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thoughts from GDR people

Man sollte das Glück des Gegners im Auge behalten

"Freiheit ist ein leeres Wort, wenn man nicht hinzufügt: Frei wovon und frei wozu. Denn Freiheit ist eine gerichtete Kraft. Heute sehe ich die Gefahr, dass sich die Kraft der Freiheit verliert, weil es ihr an Ziel fehlt. Mit dem Begriff Freiheit ist es ähnlich wie mit dem Begriff der Demokratie. Man sagt Demokratie und meint Kapitalismus. Es geht gar nicht um Demokratie in des Wortes ursprünglicher Bedeutung, also um Volksherrschaft. Im Gegenteil: Die Demokratie als Staatsform ist so kustvoll konstruiert, dass das Volk möglichst von den Entscheidungen fern gehalten wird. In der Wirtschaft, im Militär, in der Justiz herrschen Autokratie statt Demokratie. [...]”

Berliner Zeitung: „Das würde, zu Ende gedacht, bedeuten, dass die „wahre” Demokratie auch nur eine Utopie ist.”

„Ich kann die Frage nicht beantworten, soviel verstehe ich nicht davon. Aber Sie bringen das Wort Utopie ins Spiel. Ja, auch ich habe eine Utopie, die ich mir bewahre: nämlich dass die Völker dieser Welt in der Lage sind, eine Welt ohne Faschismus und Krieg aufzubauen. Alle Widersprüche und Konflikte, die auftreten, kann man lösen, wenn man auch mal mit dem Kopf des Anderen denkt. Man muss mit dem Vorsatz in die Verhandlungen gehen, den besten Interessenausgleich zu schaffen. Man sollte das Glück des Gegners im Auge behalten.”

"Gregor Gysi hat mich mal gefragt: Meinst du, ob es in Zukunft Kommunismus geben wird? Ich antwortete ihm: Das, was man sich darunter vorgestellt hat, wird es nie geben. Die Zukunft ist nicht aus der Vergangenheit zu erklären und die Vergangenheit ist auch nicht würdig, die Zukunft zu gestalten. Ein neues Denken ist gefragt. So, wie für viele das Wort Freiheit eine zentrale Kategorie ist, ist es für mich das Wort Solidarität. Ein Heilmittel sowohl für die kleinen Probleme des Alltags als auch für die großen Weltprobleme. Eines Tages wird dafür gar nicht mehr geworben werden müssen. Die Macht der Fakten wird eine Solidarität herausfordern, als letzte Möglichkeit."

Kurt Maetzig, Filmregisseur (Das Kaninchen bin ich, Vergesst mir meine Traudel nicht) und DEFA-Mitbegründer im Interview mit der Berliner Zeitung anlässlich seines 100. Geburtstages am 25. Januar 2011 (S.28)